Nach fast zehn Jahren: Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ verabschiedet sich
Wer in den vergangenen Jahren dienstags am EKJZ vorbeikam, kannte das Bild: Fahrräder auf dem Kopf, Ketten in der Ölwanne, dazwischen Jugendliche, Ehrenamtliche und Vlothoerinnen und Vlothoer, die gemeinsam schraubten – bei Kaffee, Keksen und guten Gesprächen. Was 2016 unter freiem Himmel begann, weil ein Container-Plan scheiterte und eine Baugenehmigung erst erkämpft werden musste, wuchs zu einem festen Bestandteil des Vlothoer Ehrenamts heran. Über 30 Ehrenamtliche haben das Projekt in dieser Zeit getragen, geflüchteten Familien zu funktionierenden Fahrrädern verholfen und ganz nebenbei gezeigt, wie gelebte Integration aussehen kann.
Bereits am 23. Juni war im Rahmen einer Abschiedsfeier all jenen gedankt worden, die die Werkstatt über die Jahre geprägt haben. Im Mittelpunkt stand dabei Jan Allersmeier, der die Werkstatt fast zehn Jahre lang geleitet hat und nun ebenfalls verabschiedet wurde. „Diese Werkstatt war nie nur ein Ort, an dem Fahrräder repariert wurden“, sagt Allersmeier rückblickend. „Hier haben Menschen sich kennengelernt, die sich sonst nie begegnet wären. Aus geflüchteten Jugendlichen, die anfangs kaum ein Wort Deutsch sprachen, sind junge Erwachsene geworden, die heute selbst anderen helfen. Das mitzuerleben, war das größte Geschenk dieser Arbeit.“
Auch in den letzten Wochen war das Interesse an der Werkstatt ungebrochen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, noch einmal ein Rad zu erwerben oder sich mit Ersatzteilen einzudecken. Ein Großteil der verbliebenen Fahrräder geht nun an das Umsonst & Draußen Festival, wo sie künftig als Pool für die dortigen Ehrenamtlichen dienen werden – ein letztes, sinnstiftendes Kapitel für Räder, die schon einmal ein zweites Leben erhalten hatten.
Dass die Werkstatt nun schließt, hat dabei keine inhaltlichen Gründe – im Gegenteil. Grund ist eine strukturelle Entwicklung, die derzeit viele kirchliche Einrichtungen betrifft: der Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen und die damit einhergehende Notwendigkeit, kirchliche Gebäude aufzugeben oder neu zu nutzen. Auch das EKJZ ist von diesen Veränderungen betroffen. „Der Wandel unserer kirchlichen Strukturen und die sinkenden Mitgliederzahlen führen dazu, dass Gebäude wie das Gemeindehaus Valdorf nicht in der bisherigen Form weitergeführt werden kann. Daher muss auch das EKJZ als kommunales Jugendzentrum, dass vom Ev. Jugendreferat Vlotho verantwortet wird, einen neuen Ort finden. Und somit auch eine neue Bleibe für Projekte, wie die Fahrradwerkstatt, an dem wir neu starten können“, erklärt Geschäftsführerin Katrin Eckelmann.
Für die Ehrenamtlichen, die die Werkstatt all die Jahre mit Leben gefüllt haben, ist das kein leichter Abschied – aber auch kein endgültiger Schlussstrich. „Wir geben die Idee nicht auf, wir müssen nur eine Pause einlegen“, sagt Jugendreferentin Annemarie Coring. „Ich hoffe sehr, dass sich bald ein neuer Ort findet, in dem dieser Geist – das gemeinsame Schrauben, Helfen und Ankommen – weiterleben kann. Vlotho hat gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, sich einzubringen. Diese Haltung soll nicht verschwinden.“
Mit dem Ende der Fahrradselbsthilfewerkstatt verliert Vlotho vorerst einen besonderen Treffpunkt. Was bleibt, ist die Erinnerung an fast zehn Jahre gelebte Ehrenamtlichkeit– und die leise Hoffnung, dass aus dem „Auf Wiedersehen“ irgendwann ein „Willkommen zurück“ wird.














